Eine Woche nach dem sportlichen Tiefschlag der ersten Qualifikationsrunde hat die männliche A-Jugend der Sportfreunde Budenheim eindrucksvoll zurückgeschlagen: Mit drei Siegen aus vier Spielen sicherte sich die Mannschaft in Ludwigshafen die Qualifikation für die 1. Bundesliga U19 – und krönte damit eine außergewöhnliche Entwicklung der vergangenen Jahre.
Als am Sonntagvormittag in Ludwigshafen die letzten Sekunden gegen HT München herunterliefen, brachen auf Budenheimer Seite alle Emotionen heraus. Spieler lagen sich in den Armen, Trainer sprangen von der Bank auf das Feld und zwischen Erleichterung, Stolz und völliger Erschöpfung wurde langsam klar, was diese Mannschaft gerade geschafft hatte: Die Sportfreunde Budenheim spielen in der Saison 2026/2027 in der 1. Bundesliga U19.
Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt sogar noch ein Spiel ausstand.
Eine Woche nach der punktlosen ersten Qualifikationsrunde in eigener Halle meldete sich die Mannschaft eindrucksvoll zurück, gewann drei ihrer vier Spiele und sicherte sich bereits vor dem abschließenden Duell gegen den VfL Gummersbach das Ticket für die höchste deutsche Nachwuchsspielklasse. Dass am Ende sogar noch Platz eins der Gruppe herausspringen würde, machte dieses Wochenende endgültig perfekt.
„Nach dem vergangenen Wochenende nochmal so zurückzukommen, macht mich unfassbar stolz. Diese Mannschaft hat unglaublich viel Charakter, Leidenschaft und Energie“, sagte Trainer Fabian Vollmar nach Turnierende.
Dabei hätte die Ausgangslage schwieriger kaum sein können. Die Erinnerung an die erste Qualifikationsrunde war noch frisch. Trotz starker Leistungen gegen absolute Topgegner war Budenheim dort punktlos geblieben, hatte sich immer wieder selbst um den verdienten Ertrag gebracht und zusätzlich den schwerwiegenden Ausfall von Henri Schleif verkraften müssen – einer der zentralen Säulen der Mannschaft im Innenblock und am Kreis.
Dazu kamen weitere angeschlagene Spieler, eine belastende Trainingswoche mit schulisch bedingten Ausfällen und nun auch noch das erste wirklich heiße Wochenende des Jahres. In der Halle herrschten zeitweise deutlich über 30 Grad. Für Spieler, Trainer und Schiedsrichter entwickelte sich die zweite Qualifikationsrunde schnell zu einem echten Abnutzungskampf. Und ausgerechnet dort wartete direkt zum Auftakt der nominell größte Favorit der Gruppe.
Mit dem HLZ Friesenheim-Hochdorf traf Budenheim auf den einzigen ehemaligen Erstligisten des Turniers. Gleichzeitig hatte die Partie fast schon Derby-Charakter. Viele Spieler kennen sich seit Jahren aus gemeinsamen Duellen in der Regionalliga, aus Rheinland-Pfalz-Auswahlmaßnahmen oder früheren Jugendklassen. Entsprechend intensiv entwickelte sich die Begegnung von Beginn an. Die Sportfreunde spielten mutig, aggressiv und mit enormer Energie. Zur Halbzeit stand es 10:10, obwohl Budenheim erneut einige freie Chancen ausgelassen hatte. Vieles erinnerte in dieser Phase an die Vorwoche – und genau deshalb wurde die zweite Halbzeit zum ersten großen Wendepunkt dieses Wochenendes. Denn diesmal brach Budenheim eben nicht ein. Im Gegenteil: Die Mannschaft kam mit voller Überzeugung aus der Kabine, verteidigte kompromisslos und spielte sich offensiv regelrecht in einen Rausch. Angeführt von Max Hessinger, der nach dem Ausfall von Henri Schleif noch mehr Verantwortung übernahm, als er das ohnehin bereits tat, kippte das Spiel innerhalb weniger Minuten komplett.
Besonders bemerkenswert war dabei auch die Leistung von Elias Hög. Der junge A-Jugend-Jahrgang musste plötzlich große Teile der Aufgaben von Schleif übernehmen und wuchs sowohl defensiv als auch offensiv beeindruckend in seine Rolle hinein. Gemeinsam mit Philipp Patrzalek, der auf ungewohnter Halbposition defensiv ein herausragendes Wochenende spielte, stabilisierte sich die Budenheimer Defensive zunehmend. Am Ende gewann Budenheim überraschend deutlich mit 28:18 und setzte damit direkt ein Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz.
„Wir haben aus der ersten Runde extrem viel gelernt. Die Mannschaft hat verstanden, dass sie auf diesem Niveau bestehen kann, wenn sie mutig bleibt und über die komplette Spielzeit konzentriert arbeitet“, ordnete Trainer Kai Schiebeler ein.
Doch die Euphorie erhielt wenige Stunden später einen herben Dämpfer. Das Spiel gegen den TV Bissendorf-Holte entwickelte sich zu einem emotionalen Wechselbad. Nach starkem Beginn verlor Budenheim insbesondere in den zehn Minuten vor der Halbzeit komplett den Rhythmus. Die Mannschaft spielte plötzlich fahrig, verlor den Zugriff in der Defensive und lud Bissendorf immer wieder zu einfachen Tempogegenstößen ein. Gerade deshalb schmerzte diese Phase besonders, weil Budenheim nach dem Auftaktsieg emotional eigentlich auf einem Hoch war und sich mit einem weiteren Erfolg bereits eine hervorragende Ausgangslage hätte verschaffen können. Trotzdem kämpften sich die Sportfreunde mehrfach zurück in die Partie. Vor allem Timo Schorr übernahm in vielen Eins-gegen-eins-Situationen Verantwortung und hielt die Mannschaft gemeinsam mit Hessinger und Patrzalek im Spiel. In der Schlussphase schien Budenheim beim Stand von 27:26 bereits auf dem Weg zum zweiten Sieg, konnte eine doppelte Überzahl jedoch nicht entscheidend nutzen und musste sich am Ende noch mit 27:29 geschlagen geben.
Die Enttäuschung danach war riesig. „Das war emotional brutal schwierig, weil wir uns wieder selbst im Weg standen. Gerade nach der Leistung gegen Hochdorf hat uns dieses Spiel extrem wehgetan“, erklärte Vollmar offen.
Entsprechend groß war der Druck vor dem Sonntagmorgen. Die Ausgangslage war jedoch klar: Mit einem Sieg gegen HT München würde Budenheim sicher mindestens Platz drei erreichen und damit die Bundesliga-Qualifikation perfekt machen. Und ausgerechnet München entwickelte sich zum emotionalen Höhepunkt des gesamten Wochenendes. Zwischen beiden Mannschaften hatte sich über die vergangenen Monate längst eine besondere Rivalität entwickelt. Mehrere Duelle in der 2. Bundesliga, das direkte Aufeinandertreffen in der ersten Qualifikationsrunde – man kannte sich inzwischen nahezu in- und auswendig. Das Spiel hielt genau das, was diese Konstellation versprach. Beide Mannschaften begegneten sich über die komplette Spielzeit auf Augenhöhe. Jeder Treffer wurde gefeiert, jeder Ballgewinn emotional begleitet. In einer extrem intensiven Partie machte vor allem Torhüter Paul Kohlmaier den Unterschied, der seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden immer wieder im Spiel hielt. Dazu übernahm insbesondere Felix Kessel Verantwortung. Nach langer Knieverletzung hatte sich der Rückraumspieler rechtzeitig zur Qualifikation zurückgekämpft und zeigte nun ausgerechnet im wichtigsten Spiel des Wochenendes seine vielleicht stärkste Leistung. Als München in den Schlussminuten alles riskieren musste und die Deckung öffnete, nutzten die Sportfreunde ihre Chancen konsequent und brachten den 23:19-Erfolg souverän ins Ziel.
Mit dem Schlusspfiff war die Bundesliga-Qualifikation perfekt. Dass Budenheim anschließend sogar noch den Gruppensieg holen würde, war zu diesem Zeitpunkt beinahe nebensächlich.
Im abschließenden Spiel gegen den VfL Gummersbach ging es sportlich nur noch um die Platzierung innerhalb der Gruppe. Beide Teams nutzten die Partie deshalb zunächst, um Spielern größere Einsatzzeiten zu geben, die zuvor weniger auf dem Feld gestanden hatten. Gerade auf Budenheimer Seite wurde genau das dann zu einer der schönsten Geschichten des Wochenendes. Unter anderem zeigte Neuzugang Marko Matešković-Gill eine starke Leistung und deutete mehrfach an, welches Potenzial er künftig in die Mannschaft einbringen kann. Besonders bemerkenswert war jedoch der Auftritt von Karl Dietrich. Der junge Kreisläufer war kurzfristig als zusätzlicher Spieler für den verletzten Henri Schleif nachgerückt und behauptete sich nun gegen eines der renommiertesten Nachwuchsprogramme Deutschlands mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Auch Maximilian Orthmann im Tor überzeugte mit einem herausragenden Spiel. Je länger die Partie dauerte, desto mehr entwickelte sich daraus wieder ein echter Wettkampf. Gummersbach brachte zunehmend seine Stammformation zurück aufs Feld, doch die Budenheimer Spieler hatten sich längst in einen Lauf gespielt. Angeführt von sechs Treffern von Samuel Karram drehte Budenheim einen Rückstand noch in einen 25:23-Erfolg und sicherte sich damit sogar Platz eins der Gruppe.
Nach dem Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft in der B-Jugend und der Vizemeisterschaft in der 2. Bundesliga krönte die Mannschaft damit ihre außergewöhnliche Entwicklung der vergangenen Jahre. Und vielleicht macht genau das diesen Erfolg so besonders: Während viele Gegner mit deutlich größeren Strukturen, breiteren Kadern und professionellen Nachwuchsbedingungen arbeiten, hat sich Budenheim als vergleichsweise kleiner Verein mit enormem Zusammenhalt, Leidenschaft und Mentalität seinen Platz unter den besten 20 U19-Mannschaften Deutschlands erarbeitet.
„Dass die Mannschaft nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen so reagiert, sagt unglaublich viel über ihren Charakter aus. Genau darauf können die Jungs stolz sein“, sagte Vollmar. Eine Woche nach dem emotionalen Tiefpunkt in eigener Halle stand die Mannschaft plötzlich ganz oben. Erschöpft, überhitzt und mit letzter Kraft – aber gemeinsam.
Die Sportfreunde Budenheim spielen in der Saison 2026/2027 in der 1. Bundesliga U19.