150 Kinder, fast 100 Betreuer – und eine Woche, die für viele das Highlight des Jahres ist. Doch das Budenheimer Handballcamp entsteht nicht einfach. Es wächst über Monate – getragen von einem Team, das im Hintergrund arbeitet, während vorne die Kinder im Mittelpunkt stehen.
Noch ist es ruhig, fast ungewohnt ruhig für einen Ort, der in wenigen Stunden von Stimmen, Musik und Bewegung geflutet wird. Ein paar Tische werden gerückt, Kisten sortiert, letzte Absprachen getroffen. Mitten in diesem kontrollierten Vorbereitungschaos: Fabian Vollmar. Er ist keiner, der lange stehen bleibt. Ein kurzer Austausch hier, eine Entscheidung dort, dazwischen immer wieder ein prüfender Blick. Es ist die Phase, in der sich zeigt, ob aus Planung Realität wird – und die hat ihre eigenen Regeln.
„Du kannst noch so viel vorbereiten“, sagt er, „am Ende passiert sowieso immer etwas, womit du nicht gerechnet hast.“
Was heute wie ein eingespieltes System wirkt, ist über viele Jahre gewachsen. Aus einer vergleichsweise kleinen Ferienaktion wurde ein Projekt mit inzwischen knapp 150 Kindern und über 90 Betreuern. Dass das funktioniert, liegt nicht an perfekter Planung, sondern an den Menschen dahinter. Neben Vollmar sind es vor allem die vertrauten Gesichter im Orga-Team, die das Camp tragen. Dominik Schäfer ist einer von ihnen – jemand, der weniger redet, dafür umso mehr anpackt. Wo etwas fehlt, taucht er auf. Wo es eng wird, wird improvisiert. Auch Volker Schuster gehört zu denen, die eher im Hintergrund wirken und gerade deshalb entscheidend sind. Er denkt Abläufe, Strukturen, Lösungen – immer mit dem Blick darauf, dass am Ende alles ineinandergreift. Seine Frau Line Schuster ergänzt genau das: Kommunikation, Organisation, das große Ganze zusammenhalten. Bei ihnen verschwimmt die Grenze zwischen Organisation und Privatleben ohnehin. Volker und Line Schuster sind verheiratet – und ihre Familie ist längst Teil der Camp-Geschichte geworden. Ihre drei Kinder haben das Handballcamp von klein auf durchlaufen. Levin war zunächst selbst Teilnehmer und ist heute bereits als junger Betreuer dabei. Ida und Matti wachsen ganz selbstverständlich in diese Welt hinein.
Eine ähnliche Geschichte steckt auch hinter Julia Krikken. Sie kam ursprünglich über ihre Tochter Nele zum Camp, die selbst als Teilnehmerin dabei war. Inzwischen hat sich die Rolle längst gedreht: Nele ist heute als Betreuerin im Einsatz – und Julia fester Bestandteil des Orga-Teams. Im Alltag bedeutet das vor allem eines: da sein, wenn es gebraucht wird. Küche, Abläufe, Koordination – und immer wieder Situationen, die nicht planbar sind. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Camps: Es funktioniert nicht, weil alles reibungslos läuft. Es funktioniert, weil alle wissen, dass es das nicht tut. Wenn sich am Montagmorgen die Halle füllt, kippt die Atmosphäre innerhalb weniger Minuten. Aus der Ruhe wird Lautstärke, aus Vorbereitung wird Realität. Für die Kinder beginnt eine Woche voller Erlebnisse. Für das Orga-Team eine Dauerbelastung, die kaum sichtbar ist. Planänderungen gehören zum Alltag. Wetter, Abläufe, Gruppendynamik – ständig muss reagiert werden.
„Früher hast du alles selbst gemacht“, sagt Vollmar rückblickend. „Heute geht das nur noch, weil du dich auf dein Team verlassen kannst.“
Die Halle ist voll, laut, aufgedreht. Die Gruppen stehen zusammen, die Energie der Woche liegt spürbar in der Luft.
„Am Ende sind es genau diese Momente“, sagt Vollmar. „Dafür machst du das.“
Es ist schwer zu erklären, warum Menschen so viel Zeit in ein Projekt wie dieses investieren.
Vielleicht, weil es mehr ist als ein Camp.
Vielleicht, weil es über Jahre gewachsen ist.
Vielleicht, weil es Menschen verbindet, die immer wieder zurückkommen.
Oder, ganz einfach: weil es funktioniert.