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Vom Fehlstart zur Sensation – wie Budenheim Platz zwei erkämpfte

|   mA1-Jugend

Nach schwierigen Voraussetzungen entwickelt sich die A-Jugend der Sportfreunde Budenheim über eine beeindruckende Serie zu einem Topteam und krönt die Saison mit Platz zwei in der 2. Bundesliga Süd

Vier zu sechs Punkte nach fünf Spielen, der Blick geht nach unten – der Saisonstart der Budenheimer A-Jugend verläuft holprig. Die Gründe dafür liegen Wochen zurück. Doch die Mannschaft arbeitet sich in die Saison, startet eine Serie, schlägt Spitzenreiter Melsungen und wächst mit jeder Herausforderung. Ein deutlicher Rückschlag bringt das Team noch einmal ins Wanken, bevor sie mit einem besonderen Auswärtssieg beim späteren Meister die Richtung endgültig vorgibt. Am Ende steht Platz zwei. Und eine Mannschaft, die sich diese zweite Chance verdient hat.

Die Geschichte dieser Saison beginnt nicht erst mit dem ersten Spieltag. Bereits vor Saisonbeginn spielte die Budenheimer A-Jugend die Qualifikation zur ersten Jugendhandball-Bundesliga und scheiterte knapp. Die Ausgangslage war dabei alles andere als optimal: Mit Henri Schleif fehlte ein wichtiger Leistungsträger verletzungsbedingt, zudem standen mit Alvar Matsuura und Philipp Patrzalek zwei zentrale Spieler aufgrund ihres Doppelspielrechts noch nicht zur Verfügung. Der Kader war deutlich eingeschränkt – und dennoch blieb die Qualifikation lange offen. Am Ende reichte es knapp nicht. Eine Enttäuschung, die nachwirkte. Gleichzeitig fehlten durch die späte Qualifikationsphase und die Belastung aus der B-Jugend – die erst nach einem intensiven Viertelfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen endete – die Grundlagen für eine strukturierte Vorbereitung. Der Übergang in die Saison verlief entsprechend schwierig.

Nach fünf Spieltagen standen vier zu sechs Punkte auf dem Konto. Die Leistungen schwankten, Abläufe griffen noch nicht durchgängig, der Blick in der Tabelle ging zunächst eher nach unten. „Die Voraussetzungen waren alles andere als einfach, aber genau das war Teil der Aufgabe“, sagte Trainer Fabian Vollmar. „Die Jungs haben sich da Schritt für Schritt reingearbeitet.“ Was folgte, war die prägende Phase dieser Saison. Budenheim stabilisierte sich. Die Abwehr gewann an Klarheit, das Tempospiel wurde konsequenter, die Entscheidungen im Angriff präziser. Vor allem aber entwickelte die Mannschaft eine neue Qualität: Sie gewann enge Spiele. Immer wieder entstanden Partien auf Augenhöhe – und immer häufiger traf Budenheim in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen. Diese Fähigkeit wurde zum Schlüssel.

Die Folge war eine Serie, die die Saison komplett drehte. Acht Siege in Folge führten die Sportfreunde aus dem unteren Tabellenbereich in die Spitzengruppe. Die Mannschaft entwickelte ein Selbstverständnis, mit dem sie sich auch gegen die besten Teams behauptete. Den Höhepunkt dieser Phase bildete der Sieg gegen Tabellenführer Melsungen. Budenheim spielte mit hoher Intensität, klarer Struktur und großer Überzeugung – und zeigte, welches Niveau möglich ist. „Gerade die engen Spiele haben uns extrem weitergebracht“, erklärte Trainer Kai Schiebeler. „Die Jungs haben gelernt, in den entscheidenden Momenten da zu sein.“ Auch nach dem Erfolg gegen Melsungen blieb Budenheim stabil und bestätigte die eigene Entwicklung mit einem weiteren Sieg in Rodgau.

Dann folgte der Bruch. Im Heimspiel gegen Pforzheim zeigte die Mannschaft ihre schwächste Saisonleistung. Die Klarheit fehlte, die Konsequenz ebenso – Budenheim fand nie richtig ins Spiel. Ein Rückschlag, der die zuvor aufgebaute Dynamik unterbrach. „Das war ein Dämpfer“, sagte Vollmar. „Aber entscheidend war, wie wir darauf reagieren.“ Die Antwort fiel deutlich aus. Beim späteren Meister in München gelang Budenheim ein Auswärtssieg, der herausstach. Als erste und einzige Mannschaft der Saison gewannen die Sportfreunde dort – gegen das Team, das sich am Ende den Titel sicherte. Die Leistung war geprägt von Disziplin, Intensität und Überzeugung. Vor allem aber zeigte sie, dass die Mannschaft gelernt hatte, mit Rückschlägen umzugehen.

Von diesem Moment an blieb Budenheim stabil. Die Mannschaft spielte die Saison mit wachsender Reife zu Ende, traf in engen Situationen weiterhin die besseren Entscheidungen und nutzte gleichzeitig die sich verändernde Tabellensituation. Durch Niederlagen der Konkurrenz eröffnete sich die Chance, noch einmal ganz oben anzugreifen. In der entscheidenden Phase zeigte Budenheim genau die Qualitäten, die sich über Monate entwickelt hatten. In einer intensiven Schlussphase kontrollierte die Mannschaft ihre Spiele und brachte sich in die entscheidende Position. Mit dem abschließenden Auswärtssieg sicherten sich die Sportfreunde schließlich Platz zwei in der 2. Bundesliga Süd – und damit die Qualifikation zur ersten Jugendhandball-Bundesliga. Ein Ergebnis, das nach dem Verlauf dieser Monate eine besondere Bedeutung bekam.

„Die Jungs haben sich das über die Saison hinweg erarbeitet“, sagte Schiebeler. „Vor allem die Art, wie sie mit schwierigen Phasen umgegangen sind, war entscheidend.“ Auch Vollmar betonte die Entwicklung: „Diese Mannschaft ist an ihren Aufgaben gewachsen. Platz zwei ist die logische Konsequenz daraus.“ Die kommende Qualifikation zur ersten Jugendhandball-Bundesliga bekommt damit eine besondere Bedeutung. Denn Budenheim war bereits zu Beginn der Saison nah dran – unter schwierigen Voraussetzungen und mit einem stark eingeschränkten Kader. Jetzt bietet sich eine neue Chance. Mit gewachsener Struktur, mehr Tiefe im Kader und den Erfahrungen aus einer intensiven Saison gehen die Sportfreunde in diese Phase mit einer anderen Ausgangslage und mit einer klaren Zielsetzung. „Wir wissen, wie knapp es beim ersten Mal war“, sagte Schiebeler. „Jetzt wollen wir uns diese Chance nicht noch einmal nehmen lassen.“ Nach einer Saison, in der sich die Mannschaft Schritt für Schritt entwickelt hat, richtet sich der Blick nach vorne – bereit für das nächste Kapitel.