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HABACA - Handballcamp

Handballcamp - Folge 2: 365 Tage Handballcamp

|   Handballcamp

Das Budenheimer Handballcamp dauert eine Woche. So wirkt es zumindest von außen. Tatsächlich beginnt die nächste Camp-Woche genau in dem Moment, in dem die letzte endet.

Am Samstagmorgen nach dem Handballcamp ist die Halle zum ersten Mal seit Tagen wirklich leer. Der Aufbau ist zurückgebaut, die letzten Kisten verstaut, die Geräusche der Woche verschwunden. Am Abend zuvor wurde noch gemeinsam gefeiert – Betreuer, die sich teilweise nur einmal im Jahr sehen, saßen zusammen, haben gelacht, Erinnerungen geteilt und die Woche ausklingen lassen. Erst danach kehrt langsam Ruhe ein. Für viele ist das der Abschluss. Für das Orga-Team ist es der Anfang.

 

Wenn die Halle leer wird – und alles wieder beginnt

„Man denkt immer, jetzt ist es vorbei“, sagt Fabian Vollmar. „Aber eigentlich fängt genau da schon wieder das nächste Camp an.“
Was von außen wie eine klar abgegrenzte Woche wirkt, ist in Wirklichkeit ein Prozess, der sich über das gesamte Jahr zieht. Direkt nach dem Camp beginnt die Aufarbeitung. In einem ersten Treffen im Herbst wird zurückgeschaut: Was hat funktioniert? Wo gab es Probleme? Welche Ideen sind entstanden, die man weiterdenken will?
Es sind keine klassischen Sitzungen mit festen Tagesordnungen, sondern Gespräche, die sich entwickeln. Vieles wird diskutiert, manches bewusst offen gelassen. Der Anspruch ist nicht, alles sofort zu entscheiden, sondern die richtigen Dinge mitzunehmen.
„Wir wollen das Camp nicht einfach jedes Jahr gleich machen“, sagt Vollmar. „Es soll sich weiterentwickeln – aber ohne das zu verlieren, was es ausmacht.“

 

Ein Camp als Jahresprojekt: Planung, Entwicklung und Verantwortung

In der Vorbereitung auf das nächste Camp folgen drei feste Planungstreffen, die deutlich intensiver sind. Dazu kommen unzählige Gespräche zwischendrin – in der Halle, am Rand von Trainingseinheiten oder einfach spontan. Die Organisation läuft nicht nur in diesen Terminen, sondern begleitet den Alltag permanent.
Mit dem Start der Anmeldung wird aus Planung Realität. In diesem Jahr war das Camp erstmals nach nur einer Woche vollständig ausgebucht. Wartelisten gibt es allerdings schon seit mehreren Jahren, weil die Nachfrage die verfügbaren Plätze längst übersteigt.
„Wir könnten deutlich mehr Kinder aufnehmen“, sagt Vollmar. „Aber irgendwann musst du eine Grenze ziehen, damit die Qualität und das Gefühl des Camps erhalten bleiben.“

Parallel dazu beginnt die konkrete Strukturarbeit. Zwölf Gruppen müssen eingeteilt, Programme abgestimmt und Abläufe definiert werden. Besonders sichtbar wird das bei den Betreuern. Anders als in vielen anderen Bereichen fehlt es hier nicht an Interessenten – im Gegenteil. In diesem Jahr sind insgesamt 109 Betreuer Teil des Camps.
„Wir haben eher zu viele als zu wenige“, sagt Dominik Schäfer. „Und das ist ein Luxus, den wir bewusst nutzen.“
Die große Zahl an Betreuern ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Junge Betreuer sollen Schritt für Schritt an Verantwortung herangeführt werden. Viele von ihnen waren früher selbst Camp-Kinder und wachsen nach und nach in neue Rollen hinein.

 

Zwischen Struktur und Improvisation: Wie Organisation lebendig bleibt

Je näher das Camp rückt, desto dichter wird die Organisation. Ein erster markanter Punkt ist erreicht, wenn die großen Bestellungen ausgelöst werden. Mittagessen, T-Shirts, Materialien – in diesem Moment wird aus Planung Verbindlichkeit.
„Da merkst du zum ersten Mal richtig, was das für ein Umfang ist“, sagt Vollmar. „Da geht es plötzlich um echte Zahlen und echte Verantwortung.“
Und selbst dann läuft nicht immer alles nach Plan. In einem Jahr mussten Camp-Shirts noch während der laufenden Camp-Woche kurzfristig abgeholt werden, weil es zeitlich eng geworden war. Situationen wie diese gehören mittlerweile fast schon dazu.
„Du brauchst einen Plan“, sagt Vollmar. „Aber du musst genauso bereit sein, ihn fünf Minuten später wieder über den Haufen zu werfen.“

Die eigentliche Hochphase beginnt in der Woche vor dem Camp. In dieser Zeit wird aus Planung ein funktionierendes System. Abläufe werden finalisiert, Details geklärt, Zuständigkeiten verteilt. Gleichzeitig muss der Aufbau vorbereitet werden – und damit auch die Koordination der vielen Betreuer. „Du kannst nicht einfach sagen: Wir bauen mal auf“, sagt Schäfer. „Du brauchst einen klaren Plan, wer wann was macht. Sonst funktioniert das nicht.“

Trotz aller Erfahrung bleibt ein Gefühl jedes Jahr gleich. „Man unterschätzt die Größe immer wieder“, sagt Vollmar. „Du weißt eigentlich, was kommt – und trotzdem stehst du dann wieder in der Halle mit über hundert Betreuern und denkst: Wahnsinn.“ Dieses Gefühl verstärkt sich in dem Moment, in dem alle zusammenkommen. Wenn die Betreuer eintreffen, wenn sich viele nach Monaten wiedersehen, wird deutlich, welche Dimension das Camp inzwischen erreicht hat – nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich. „Viele sehen sich wirklich nur hier“, sagt Volker Schuster. „Und trotzdem funktioniert es sofort wieder.“

Wenn die Woche dann beginnt, wirkt vieles nach außen hin selbstverständlich. Für die Kinder ist es eine Zeit voller Erlebnisse, Bewegung und Gemeinschaft. Für das Orga-Team ist es die Umsetzung all dessen, was über Monate vorbereitet wurde. Nicht alles läuft nach Plan. Das gehört dazu. Entscheidend ist, dass das System darauf ausgelegt ist, damit umzugehen. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Camps. Dass man ihm nicht ansieht, wie viel Arbeit dahintersteckt. Dass es für die Kinder einfach funktioniert – und im Hintergrund ein Team arbeitet, das genau darauf vorbereitet ist.

Und wenn die Woche wieder zu Ende geht, schließt sich der Kreis. Die Halle wird leer, die letzten Dinge werden verstaut – und irgendwo beginnt schon wieder das nächste Camp.
 

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Foto: HABACA
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